Sonntag, 6. März 2011

„LUXUS“

Doppeldenk ist nicht nur ein Neologismus, der aus dem 1947 entstandenen Roman 1984 entstammt. Marcel Baer und Andreas Glauch benutzen diesen Begriff vielmehr als Topos für ihre offensiven Arbeiten, die sich auf den ersten Blick mit ihren unkonventionellen Neonfarben der Pop- und Subkultur bedienen und dadurch eine gewisse Vertrautheit evozieren. Auf den zweiten Blick offenbart sich jedoch eine weitere, eine subversive Lesart. Doppeldenk nutzt die suggestive Kraft vorhandener Symbole, die in ihrem Œuvre meist als Piktogramme oder idealisierte Character dargestellt werden. Im Triptychon Vanitas Vanitatum erfolgt eine Art ästhetische Nivellierung, indem dort verfremdete Zeichen oder Motive in ihrer Bedeutung scheinbar gleichwertig angeordnet werden. Jedoch wohnt in dieser Komposition jene Kraft der Manipulation inne, die dem Leser in Orwells Roman mit voller Kraft entgegenschlägt und die für die heutige, an den massenkulturellen Konsum gekoppelte, Gesellschaft und ihren Erfahrungen durchaus relevante Elemente der Täuschung und der mehrschichtigen Denkweisen bereithält. Symbole werden, wie das Wort Revolution, umgedeutet, zweckentfremdet und erfahren im Kontext derzeitiger Distributionsverhältnisse eine Sinnentleerung. Dementsprechend nutzt die Künstlergruppe Doppeldenk Strategien des Scheins und deren Indifferenzen und fordert - in Manier einer Vanitasdarstellung -  eine erhöhte Aufmerksamkeit des Betrachters. Ihm fällt letztendlich auch die Rolle zu inne zu halten und Lesbarkeiten von Symbolen und ihren kulturell gewachsenen Inhalten aufzudecken und vor allem zu hinterfragen.



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